Glossar
Schließkantensicherung
Die Schließkantensicherung stoppt ein Schnelllauftor, wenn die untere Schließkante des Behangs auf ein Hindernis trifft.
Die Schließkantensicherung stoppt ein Schnelllauftor, sobald die untere Schließkante des Behangs auf ein Hindernis trifft. Eine druckempfindliche Leiste an der Unterkante registriert den Kontakt und löst unmittelbar einen Stopp oder eine Reversierung aus, sodass das Tor wieder öffnet. Sie zählt zu den grundlegenden Sicherheitseinrichtungen kraftbetätigter Tore und schützt Personen vor dem Eingequetschtwerden durch den absinkenden Behang.
Funktionsprinzip
An der unteren Abschlusskante des Behangs verläuft eine elastische Sicherheitsleiste, in der ein druckempfindlicher Sensor sitzt. Bei vielen Ausführungen handelt es sich um eine Schaltleiste mit einem innenliegenden Kontaktprofil oder um ein optoelektronisches System, das den Druck über eine Lichtleiterstrecke auswertet. Trifft die Kante beim Schließen auf einen Widerstand – etwa eine Person, einen Palettenfuß oder ein abgestelltes Objekt –, verformt sich das Profil, der Sensor schaltet, und die Steuerung stoppt das Tor sofort oder fährt es wieder auf.
Damit das System bei einem flexiblen, schnell bewegten Behang zuverlässig arbeitet, muss die Auswertung sehr schnell reagieren. Bei den typischen Geschwindigkeiten von 1,5 bis 3 m/s zählt jede Millisekunde, damit das Tor nach dem Kontakt rechtzeitig zum Stehen kommt. Die Signalübertragung von der mitbewegten Schließkante zur Steuerung erfolgt je nach Bauart über Spiralkabel, eine Funkstrecke oder eine optische Übertragung.
Optoelektronische Sicherheitsleisten haben sich an schnellen Toren besonders bewährt. Bei ihnen verläuft ein Lichtleiter durch das gesamte Gummiprofil. Drückt ein Hindernis das Profil zusammen, knickt der Lichtleiter, und die abfallende Lichtmenge wird sofort als Auslösung gewertet. Dieses Prinzip ist verschleißarm, weil es keine mechanischen Kontakte gibt, und es überwacht sich selbst: Fällt der Lichtleiter aus, erkennt die Steuerung den Fehler und verhindert den weiteren Betrieb. Damit erfüllt die Leiste die Anforderung, dass eine sicherheitsrelevante Einrichtung ihren eigenen Funktionszustand kontrolliert.
Bedeutung beim Schnelllauftor
Die Schließkante ist der Bereich des Tors, in dem die größte Quetschgefahr besteht, weil sich der Behang hier nach unten bewegt und mit dem Boden oder einem Hindernis einen Spalt schließt. Die Schließkantensicherung begrenzt die wirkenden Kräfte und stellt sicher, dass das Tor im Kontaktfall keine gefährliche Schließkraft aufbaut. Sie ist damit ein Kernbestandteil des Personenschutzes nach EN 13241.
Anders als das berührungslos arbeitende Lichtgitter reagiert die Schließkantensicherung erst beim physischen Kontakt. Beide Einrichtungen ergänzen sich: Das Lichtgitter verhindert idealerweise, dass das Tor überhaupt auf ein Hindernis zufährt, während die Schließkantensicherung als zusätzliche Absicherung den Fall abdeckt, dass dennoch ein Kontakt entsteht. Dieses gestufte Schutzkonzept entspricht dem Stand der Technik kraftbetätigter Tore.
Normative Anforderungen
Die EN 13241 als Produktnorm verweist für die Nutzungssicherheit auf die EN 12453. Diese legt fest, welche Schließkräfte ein kraftbetätigtes Tor an der Hauptschließkante maximal aufbauen darf und welche Sicherheitseinrichtungen dafür erforderlich sind. Eine Schließkantensicherung in Kombination mit einer kraftbegrenzten oder reversierenden Steuerung ist eine bewährte Maßnahme, um die zulässigen Werte einzuhalten.
Im Betrieb gilt für solche Tore die Prüfpflicht nach ASR A1.7 und den DGUV-Vorgaben: Mindestens jährlich prüft eine befähigte Person die Funktion der Sicherheitseinrichtungen, einschließlich der korrekten Auslösung der Schließkantensicherung. Welche Wartungs- und Prüfschritte dazugehören, beschreibt der Bereich Reparatur und Wartung.
Zusammenspiel mit Geschwindigkeit und Antrieb
Die Wirksamkeit der Schließkantensicherung hängt eng mit der Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit des Tors zusammen. Je schneller der Behang zufährt, desto kürzer ist die Zeit, in der die Sicherheitsleiste reagieren und das Tor zum Stehen bringen muss. Aus diesem Grund wird die Schließgeschwindigkeit vieler Schnelllauftore über einen Frequenzumrichter gezielt reduziert, sodass die zulässigen Schließkräfte nach EN 12453 zuverlässig eingehalten werden. Die Steuerung berücksichtigt dabei den Bremsweg, damit zwischen Auslösen der Leiste und vollständigem Stillstand kein gefährlicher Restweg verbleibt.
In ihrer Schutzwirkung wird die Schließkantensicherung in der Regel durch ein Lichtgitter ergänzt, das berührungslos vorausschauend überwacht. Beide Einrichtungen zusammen decken sowohl den Fall der vorausschauenden Erkennung als auch den Fall des tatsächlichen Kontakts ab und bilden so ein gestuftes Sicherheitskonzept.
Auswahl und Praxis
Bei der Auswahl spielen die Reaktionszeit, die Bauart der Signalübertragung und die Eignung für die Umgebung eine Rolle. In feuchten oder reinigungsintensiven Bereichen müssen Leiste und Sensor entsprechend geschützt ausgeführt sein, an Außentoren zusätzlich witterungsfest. Für Innentore in sauberen Produktionsumgebungen genügen Standardausführungen. Da die Leiste an der mitbewegten Unterkante des Behangs sitzt, muss auch die Signalübertragung – ob über Spiralkabel, Funk oder optisch – robust gegen die ständige Bewegung ausgelegt sein.
Da die Schließkantensicherung ein sicherheitsrelevantes Verschleißteil ist, gehört ihre regelmäßige Funktionsprüfung zur Wartung dazu. Im Rahmen der jährlichen Prüfung nach ASR A1.7 und den DGUV-Vorgaben wird die korrekte Auslösung kontrolliert. Eine beschädigte oder nicht mehr auslösende Leiste muss umgehend ersetzt werden. Welche Prüf- und Wartungsschritte dazugehören, beschreibt der Bereich Reparatur und Wartung. Welche Ausstattung für eine konkrete Durchfahrt sinnvoll ist, lässt sich über den Konfigurator eingrenzen; einen allgemeinen Überblick zur Technik gibt die Hauptseite Schnelllauftor.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wie funktioniert eine Schließkantensicherung?
Eine druckempfindliche Leiste an der Unterkante des Behangs registriert den Kontakt mit einem Hindernis und löst sofort einen Stopp oder eine Reversierung aus, sodass das Tor wieder öffnet.
Ist eine Schließkantensicherung Pflicht?
Sie gehört zu den grundlegenden Sicherheitseinrichtungen kraftbetätigter Tore und wird im Rahmen der EN 13241 in Verbindung mit EN 12453 zur Begrenzung der Schließkräfte gefordert.
Ersetzt die Schließkantensicherung ein Lichtgitter?
Nein. Die Schließkantensicherung reagiert erst bei Berührung, während ein Lichtgitter berührungslos vorausschauend überwacht. Beide ergänzen sich und decken unterschiedliche Gefährdungen ab.
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