Glossar
Lichtgitter
Ein Lichtgitter ist eine berührungslose Sicherheitseinrichtung, die den Torbereich eines Schnelllauftors über mehrere Lichtstrahlen überwacht.
Ein Lichtgitter ist eine berührungslose Sicherheitseinrichtung, die den Bewegungsbereich eines Schnelllauftors über mehrere übereinander angeordnete Lichtstrahlen überwacht. Erkennt es eine Person oder ein Objekt in der Toröffnung, stoppt oder reversiert das Tor, bevor der Behang Kontakt herstellt. Damit gehört das Lichtgitter zu den zentralen Personenschutzeinrichtungen kraftbetätigter Tore.
Funktionsprinzip
Ein Lichtgitter besteht aus einem Sender und einem Empfänger, die beidseitig an den Torzargen montiert sind. Der Sender erzeugt eine Reihe paralleler Infrarotstrahlen, die über die gesamte überwachte Höhe ein unsichtbares Gitter aufspannen. Solange alle Strahlen den Empfänger erreichen, gibt die Steuerung den Torlauf frei. Wird auch nur ein Strahl unterbrochen, wertet die Steuerung dies als Hindernis und löst sofort einen Stopp oder eine Reversierung aus.
Da die Auslösung berührungslos und vor dem Kontakt erfolgt, schützt das Lichtgitter Personen und Fahrzeuge, bevor überhaupt eine Kollision entstehen kann. Diese vorauseilende Wirkung unterscheidet es von Sicherheitseinrichtungen, die erst bei Berührung reagieren.
Die meisten Lichtgitter arbeiten nach dem Durchlichtprinzip mit getrenntem Sender und Empfänger. Es gibt jedoch auch Ausführungen mit Reflektor oder integrierter Auswertung in einer Leiste. Entscheidend ist die Strahlauflösung, also der Abstand zwischen den einzelnen Strahlen: Je geringer dieser Abstand, desto kleinere Objekte werden erkannt. Für den Mischverkehr mit Personen ist eine feine Auflösung wichtig, damit auch ein Bein oder ein niedriges Hindernis sicher detektiert wird, bevor der Behang es erreicht.
Abgrenzung zur Lichtschranke und zur Schließkantensicherung
Eine einfache Lichtschranke überwacht nur eine einzige Höhe und kann dadurch niedrige oder seitlich versetzte Hindernisse übersehen. Ein Lichtgitter überwacht dagegen einen ganzen Höhenbereich und erhöht damit die Sicherheit im Mischverkehr aus Fußgängern, Staplern und Routenzügen deutlich. Gerade an breiten, stark frequentierten Durchfahrten ist diese flächige Überwachung der Lichtschranke klar überlegen.
Das Lichtgitter ergänzt die Schließkantensicherung, ersetzt sie aber nicht. Während das Lichtgitter den Durchfahrtsbereich vorausschauend überwacht, fängt die druckempfindliche Leiste an der Unterkante des Behangs den Fall ab, dass dennoch ein Kontakt entsteht. Beide Einrichtungen arbeiten gemeinsam und decken unterschiedliche Gefährdungssituationen ab.
Normative Einordnung
Kraftbetätigte Tore müssen nach der Produktnorm EN 13241 in Verbindung mit der Nutzungssicherheitsnorm EN 12453 so abgesichert sein, dass von ihnen keine Quetsch-, Scher- oder Stoßgefahr ausgeht. Die EN 12453 beschreibt dazu zulässige Schließkräfte und die Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen. Ein Lichtgitter ist eine anerkannte Maßnahme, um diese Vorgaben im Bewegungsbereich des Tors zu erfüllen, insbesondere wenn das Tor von Personen passiert wird.
Im laufenden Betrieb unterliegen kraftbetätigte Tore zudem der Prüfpflicht: Nach ASR A1.7 und den Vorgaben der DGUV ist mindestens einmal jährlich eine Prüfung durch eine befähigte Person erforderlich, bei der auch die Funktion der Sicherheitseinrichtungen wie des Lichtgitters kontrolliert wird. Welche Prüfungen und Wartungsintervalle dazugehören, ist Thema im Bereich Reparatur und Wartung.
Die EN 12453 unterscheidet dabei je nach Art der Toröffnung – etwa Totmannbetrieb, Impulssteuerung oder vollautomatischer Betrieb – unterschiedliche Schutzanforderungen. Je selbständiger das Tor öffnet und schließt, desto höher sind die Anforderungen an die Sicherungseinrichtungen. Ein vollautomatisch über Sensoren ausgelöstes Schnelllauftor, das ohne direkte Sicht des Bedieners arbeitet, verlangt deshalb in der Regel eine berührungslose Absicherung wie das Lichtgitter, ergänzt durch die kontaktbasierte Sicherung an der Schließkante. Das Lichtgitter ist damit nicht beliebige Zusatzausstattung, sondern oft konstitutiver Bestandteil eines normkonformen Tors.
Bedeutung bei hoher Geschwindigkeit
Gerade bei Schnelllauftoren ist die berührungslose Überwachung besonders wertvoll. Mit Öffnungsgeschwindigkeiten von rund 1,5 bis 3 m/s bewegt sich der Behang so schnell, dass eine rein kontaktbasierte Absicherung allein zu spät reagieren würde. Das Lichtgitter erkennt ein Hindernis bereits, bevor es überhaupt in den Schließweg gerät, und gibt der Steuerung damit den nötigen Vorlauf, um das Tor rechtzeitig anzuhalten oder zu reversieren. Diese vorauseilende Reaktion ist die Voraussetzung dafür, dass sich hohe Geschwindigkeit und hoher Personenschutz nicht ausschließen.
Damit das gelingt, müssen Lichtgitter und Antrieb aufeinander abgestimmt sein. Die Steuerung berücksichtigt den Bremsweg des Tors bei der jeweiligen Geschwindigkeit, sodass der Behang nach einer Strahlunterbrechung sicher zum Stehen kommt. Bei großen oder schweren Toren mit längerem Bremsweg wird der überwachte Bereich entsprechend angepasst.
Auswahl und Praxis
Bei der Auswahl eines Lichtgitters sind die überwachte Höhe, die Strahlauflösung und die Robustheit gegenüber Verschmutzung entscheidend. In staubigen Umgebungen oder bei Außentoren müssen Optik und Auswertung unempfindlich gegen Fremdlicht, Nebel und Ablagerungen sein. Für Innentore in sauberen Produktionsbereichen genügen schlankere Ausführungen. Auch die Breite der Durchfahrt spielt eine Rolle, weil mit zunehmender Spannweite die Anforderungen an die Ausrichtung von Sender und Empfänger steigen.
In der Praxis wird das Lichtgitter oft mit weiteren Komponenten kombiniert, etwa mit Ampelsteuerungen, Induktionsschleifen oder Radarsensorik zur automatischen Toröffnung. So entsteht ein abgestimmtes Sicherheitskonzept, das Personenschutz und schnellen Materialfluss verbindet. Da das Lichtgitter eine sicherheitsrelevante Einrichtung ist, gehört seine regelmäßige Funktionsprüfung zur wiederkehrenden Wartung, die im Bereich Reparatur und Wartung beschrieben ist. Welche Ausstattung für eine konkrete Durchfahrt sinnvoll ist, lässt sich über den Konfigurator eingrenzen; typische Einsatzfälle zeigt der Bereich Anwendung. Einen allgemeinen Technik-Überblick bietet die Hauptseite Schnelllauftor.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Wie funktioniert ein Lichtgitter am Schnelllauftor?
Mehrere übereinander angeordnete Infrarotstrahlen spannen ein unsichtbares Gitter in der Toröffnung auf. Wird ein Strahl unterbrochen, stoppt oder reversiert das Tor, bevor der Behang eine Person oder ein Objekt erreicht.
Worin unterscheidet sich ein Lichtgitter von einer Lichtschranke?
Eine einzelne Lichtschranke überwacht nur eine Höhe. Ein Lichtgitter deckt mit vielen Strahlen einen großen Höhenbereich ab und erkennt dadurch auch niedrige Hindernisse und Personen zuverlässiger.
Ist ein Lichtgitter gesetzlich vorgeschrieben?
Kraftbetätigte Tore müssen nach EN 13241 und EN 12453 gegen Quetsch- und Stoßgefahren gesichert sein. Ein Lichtgitter ist eine bewährte Lösung, um diese Anforderung im Durchfahrtsbereich zu erfüllen.
Schnelllauftor konfigurieren und anfragen
Maße, Behang, Antrieb und Zubehör in wenigen Schritten zusammenstellen. Sie erhalten ein unverbindliches Angebot.