Industrietore

Falttor: Aufbau, Einsatz und Vergleich

Das Falttor gehört zu den Bauarten, die immer dann ins Spiel kommen, wenn andere Tortypen an ihre Grenzen stoßen. Es faltet seine Flügel seitlich zusammen und braucht dafür weder freien Deckenraum noch eine Aufwickelwelle über dem Sturz. Damit ist es eine Lösung für große Öffnungen unter beengten baulichen Bedingungen. Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau, zeigt die typischen Einsatzbereiche und ordnet das Falttor im Vergleich zu schnelleren Toren ein.

Aufbau und Funktionsweise

Ein Falttor besteht aus mehreren miteinander verbundenen Flügeln, die an einer seitlichen Laufschiene geführt werden. Beim Öffnen schieben sie sich zusammen und falten sich harmonikaartig an die Seite des Durchgangs. Je nach Breite faltet das Tor ein- oder beidseitig. Der Antrieb bewegt die Flügel über eine Laufschiene am Sturz, gesteuert wird die Bewegung wie bei anderen kraftbetätigten Toren über eine Torsteuerung mit Endschalter und Sicherheitstechnik.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Platzersparnis nach oben: Da sich das Tor zur Seite öffnet, bleibt der gesamte Bereich über der Öffnung und unter der Decke frei. Das macht das Falttor zur Option für Hallen mit niedrigem Sturz oder verbauter Decke.

Typische Einsatzbereiche

Falttore finden sich überall dort, wo breite Öffnungen verschlossen werden müssen und der Platz nach oben fehlt. Klassische Beispiele sind Flugzeughangars, große Werkstatttore, Feuerwehrhäuser und weite Hallenfronten. Auch als witterungsfester Außenabschluss für selten bewegte, aber sehr breite Durchfahrten werden sie eingesetzt.

Gemeinsam ist diesen Anwendungen, dass das Tor nicht ständig in Bewegung ist. Wo eine breite Front einige Male am Tag oder seltener geöffnet wird, spielt das Falttor seine Stärken aus. Wo dagegen ein hoher Takt herrscht, stößt es schnell an Grenzen.

Stärken und Schwächen

Die größte Stärke des Falttors ist seine Eignung für breite Öffnungen ohne Deckenraum. Es lässt sich robust ausführen, kann je nach Behang gut dämmen und wirkt als großflächiger Abschluss. Die Schwächen liegen in der Geschwindigkeit und im seitlichen Platzbedarf: Die gefalteten Flügel brauchen seitlich neben der Öffnung Raum, und die Faltbewegung läuft eher gemächlich. Für hohe Durchfahrtsfrequenzen ist das Falttor damit ungeeignet.

Falttor im Bauarten-Vergleich

BauartÖffnungsrichtungPlatzbedarfGeschwindigkeitStärke
Falttorseitlichseitlich neben Öffnunggering bis mittelbreite Öffnungen ohne Deckenraum
Rolltornach oben (Welle)über Sturz< 0,5 m/srobuster Abschluss
Sektionaltornach oben (Decke)unter Decke~ 0,2 m/sgedämmte Hallen
Schnelllauftornach obenüber Sturz1,5–3 m/shoher Durchsatz

Wenn Tempo und Klimatrennung zählen

Sobald ein Tor häufig bewegt wird und temperierte Bereiche getrennt werden müssen, verschiebt sich die Anforderung weg vom Falttor hin zu schnellen Bauarten. Ein Schnelllauftor öffnet mit 1,5 bis 3 m/s und damit um ein Vielfaches schneller als ein Falttor. Diese Geschwindigkeit hält die Offenzeit kurz und sorgt dafür, dass bei jeder Durchfahrt möglichst wenig Wärme, Kälte oder Zugluft verloren geht. So entsteht eine wirksame Klimatrennung, die ein langsam faltendes Tor bei hohem Takt nicht leisten kann.

Wo die Öffnung sehr breit ist, lassen sich auch schnelle Tore in entsprechenden Maßen ausführen – welche Abmessungen möglich sind, zeigt die Übersicht zu den Größen. Für innenliegende Trennungen zwischen Hallenbereichen eignet sich ein innenliegendes Schnelllauftor, für robuste Außenabschlüsse mit Windlast ein außenliegendes Schnelllauftor. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Bauarten bietet der Vergleich Schnelllauftor, Rolltor und Sektionaltor.

Falttor und Schnelllauftor kombiniert

In manchen Betrieben ergänzen sich beide Bauarten. Ein breites Falttor verschließt nachts die große Hallenfront witterungs- und einbruchsicher, während tagsüber ein darin oder daneben angeordnetes Schnelllauftor den eigentlichen Verkehr abwickelt. So übernimmt jedes Tor die Aufgabe, für die es gebaut ist: das Falttor den großflächigen, selten bewegten Abschluss, das Schnelllauftor die schnelle, häufige Durchfahrt. Diese Aufgabenteilung ist häufig wirtschaftlicher, als ein einziges Tor für beide Ansprüche zu überfrachten.

Sicherheit und Norm beim Falttor

Wie jedes kraftbetätigte Tor unterliegt auch das Falttor den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Produktnorm EN 13241. Da sich die Flügel seitlich bewegen, entstehen Quetsch- und Scherstellen an den Faltkanten und an der Einlaufseite, die abgesichert werden müssen. Sensorleisten und eine sorgfältig parametrierte Steuerung sorgen dafür, dass die Bewegung gestoppt wird, sobald ein Hindernis im Weg ist. Diese Sicherheitstechnik ist kein Zusatz, sondern Pflicht, und gehört von Anfang an in die Planung.

Auch die jährliche Prüfung durch eine befähigte Person nach den Arbeitsschutzregeln gilt für das Falttor wie für jedes andere Industrietor. Wer ein Falttor betreibt, sollte diese wiederkehrenden Pflichten von vornherein einkalkulieren.

Worauf bei der Auswahl achten

Die Wahl zwischen Falttor und anderen Bauarten folgt drei Fragen: Wie breit ist die Öffnung, wie viel Platz steht nach oben und zur Seite zur Verfügung, und wie häufig wird das Tor bewegt? Eine sehr breite Öffnung mit niedrigem Sturz und geringem Takt spricht für das Falttor. Häufiger Verkehr und der Wunsch nach Klimatrennung sprechen für ein schnelles Tor. Die regelmäßige Wartung ist bei beiden Bauarten Pflicht, da bewegte Flügel und Antrieb dem Verschleiß unterliegen.

Ein weiterer Punkt ist der Behang. Beim Falttor besteht er meist aus festen, oft gedämmten Flügeln, die robust und einbruchhemmend sind, das Tor aber schwer und langsam machen. Schnelle Tore setzen dagegen auf einen leichten Behang aus PVC oder Folie, der das hohe Tempo überhaupt erst ermöglicht. Wer großen Wert auf Dämmung und Stabilität legt und das Tor selten bewegt, ist mit dem festen Falttorflügel gut bedient. Wer Tempo und Durchsatz braucht, kommt am leichten Behang des schnellen Tors nicht vorbei.

Platzbedarf realistisch einplanen

Ein Punkt, der bei der Planung eines Falttors oft unterschätzt wird, ist der seitliche Platzbedarf. Die gefalteten Flügel brauchen neben der Öffnung Raum, in den sie sich zusammenschieben. Bei sehr breiten Toren mit beidseitiger Faltung summiert sich dieser Raum auf beiden Seiten. Wer den seitlichen Wandbereich anderweitig nutzt – für Regale, Maschinen oder Verkehrswege –, muss diesen Konflikt früh erkennen. Bei einem nach oben öffnenden Tor entfällt dieses Problem, dafür wird dort Platz über dem Sturz oder unter der Decke gebraucht. Welche Bauart passt, ist damit immer auch eine Frage der vorhandenen Flächen rund um die Öffnung.

Diese Abwägung lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern nur an der konkreten Halle. Wer die Maße der Öffnung und den verfügbaren Raum nach oben und zur Seite kennt, kann die in Frage kommenden Bauarten gezielt eingrenzen, bevor es an die Auswahl von Behang, Antrieb und Steuerung geht.

Fazit

Das Falttor ist die richtige Wahl für breite Öffnungen, bei denen Deckenraum fehlt und der Durchfahrtstakt gering ist. Sein seitliches Faltprinzip löst eine bauliche Herausforderung, die andere Tore nicht meistern. Sobald jedoch hoher Durchsatz und dichte Klimatrennung gefragt sind, ist ein schnell öffnendes Tor überlegen. Welche Bauart und welche Maße zu Ihrer Öffnung passen, ermitteln Sie am schnellsten im Konfigurator und fragen unverbindlich an.

Häufige Fragen

Was ist ein Falttor?

Ein Falttor besteht aus mehreren Flügeln, die sich beim Öffnen seitlich zusammenfalten. Es eignet sich für große Öffnungen, bei denen weder über dem Sturz noch unter der Decke Platz für andere Mechaniken bleibt.

Wann ist ein Falttor sinnvoll?

Ein Falttor lohnt sich bei sehr breiten Öffnungen mit geringem Platz nach oben, etwa bei Hangars, Werkstätten oder großen Hallenfronten, die selten bis mittelhäufig bewegt werden.

Ist ein Falttor schnell genug für hohen Durchsatz?

Ein Falttor öffnet eher gemächlich und eignet sich nicht für hohe Durchfahrtsfrequenzen. Wo viele Durchfahrten pro Tag und eine dichte Klimatrennung gefragt sind, ist ein Schnelllauftor die bessere Wahl.

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